Originaltitel: [●REC]

Produktionsland: Spanien 2007

Regie: Jaume Balagueró, Paco Plaza

Darsteller: Manuela Velasco, Ferran Terraza, Pablo Rosso, Vicente Gil, David Vert

Trailer

Willkommen bei „Während Sie schlafen“. Heute begleiten wir ein Feuerwehrteam zu einem Notruf in die Innenstadt von Barcelona. Dort wurden in einem Mehrfamilinhaus laute Schreie aus einer Wohnung gehört. Ein scheinbarer Routineeinsatz für die Feuerwehrmänner Manu und Álex. Man muss kein Filmexperte sein, um zu wissen, dass es sich natürlich um keinen Roteineeinsatz handelt.

In der spanischen Pseudo-Dokumentation [REC] begleiten wir die spanische Moderatorin Ángela Vidal und ihren Kameramann Pablo bei Dreharbeiten zu der TV-Reportage „Während Sie Schlafen“. Damit das ganze authentisch wirkt, ist der komplette Film aus der Sicht von Pablo im Handkamera-Stil, wie wir es aus „Blair Witch Project“ oder „Cloverfield“ kennen, gedreht. Zur Handlung: Ángela und Pablo drehen eine Reportage über die Feuerwache in Barcelona. Nach anfänglicher Langeweile und wenig spannendem Filmmaterial haben die Zwei doch noch Glück und es geht ein Notruf in der Wache ein. Eine alte Dame soll in einem Wohnhaus laut schreien, woraufhin die anderen Bewohner die Polizei und Feuerwehr alarmiert haben. Als die Einsatzkräfte eintreffen stellt sich schnell heraus, warum die ältere Frau schreit: Sie hat Hunger. Auf Frischfleisch.

Da kommt der korpulente Kommissar gerade zur rechten Zeit und wird prompt in den Hals gebissen. Als sie den schwer verletzten Polizisten nach draussen bringen wollen, stellen sie fest, dass die Eingangstür von den Polizisten auf der Strasse versiegelt wurde. Ein Virus soll in dem Haus ausgebrochen sein, aufgrund dessen es von nun an unter Quarantäne steht, solange es keine Entwarnung seitens der Gesundheitsbehörde gibt. Zum Glück für den angeknabberten Polizisten befindet sich unter den anderen Mietern, die sich zu ihrer eigenen Sicherheit in dem Hausflur versammelt haben, einen Assistensarzt, der zugleich auch der Vorsitzende der Hausgemeinschaft ist. Gerade als die verängstigte Gruppe nach einem Ausweg aus der Misere sucht, kommt Álex aus dem oberen Stockwerk angefolgen und landet schwer entstellt auf dem Boden.

So spannend sich die Story auch anhört, so lahm wird sie zu Beginn von [REC] umgesetzt. Es will einfach keine richtige Spannung aufkommen, während man den Feuerwehrmännern bei ihrem Alltag in der Feuerwache über die Schultern schaut oder der eingeschlossen Wohngemeinschaft dabei zusieht, wie sie einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage sucht. Mich interessieren auch nicht die Statements der Hausbewohner und Einsatzkräfte, die ich über Interviews durch das Fernsehteam in Erfahrung bringe. Sie sind weder nützlich für den weiteren Verlauf, noch erfahre ich Wissenswertes über die verschiedenen Charaktere. Sie sind einfach überflüssig. So plätschert die Story lange Zeit vor sich hin, bis ein Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde eintrifft und die anderen aufklärt: In dem Haus ist ein Virus ausgebrochen, dass sich über Speichel überträgt und die infizierte Person in einen extrem aggressiven und blutrünstigen Zeitgenossen verwandelt. Wow, ganz was Neues! Während ich immer noch über den extremen Einfallsreichtum der Drehbuchautoren erstaunt bin, bricht plötzlich die Hölle los und das Tempo wird deutlich angezogen. Bei dem schwer verletzten Polizisten und anderen infizierten Hausbewohnern bricht das Virus aus, woraufhin diese postwendend Jagd auf die restlichen unfreiwilligen Gefangenen machen.

Von nun gibt es bis zum Finale keine Verschnaufpause mehr. Während ich versuche, den hektischen Kamerafahrten zu folgen, steigt mein Puls von Minute zu Minute. Für das Fernsehteam und die übrigen Nicht-Infizierten spitz sich die Lage immer weiter zu und es scheint keinen Ausweg mehr zu geben, ausser sich ihrem Schicksal als hirnlose Untote zu fügen. Irgendwie schaffen sie es dennoch, sich in der Dachgeschosswohnung in gewähnte Sicherheit zu bringen. Doch das ist erst der Auftakt für das Finale, für das mir nur ein Wort einfällt: Creepy! In fast völliger Dunkelheit versuchen die restlichen Überlebenden dem alptraumhaften Horrorszenario irgendwie zu entkommen. Selten habe ich ein Ende gesehen, dass so spannend und angsteinflössend umgesetzt wurde, wie in [Rec]. Sehenswert!

[REC] ist trotz seiner nicht gerade einfallsreichen Story sehenswert. Auch wenn den Regisseuren Jaume Balagueró und Paco Plaza aufgrund des lahmen ersten Aktes nicht der ganze Große Wurf gelingt, so weiß ihr Erstlingswerk nach halber Länge durch die geschickt platzierten Gruselelemente und dem perfekt in Szene gesetzten Ende zu gefallen. Seekranken Filmfans könnte die wackelige Kameraoptik im Doku-Stil unangenehm auffallen. Auch die schauspielerische Leistung lässt bei einigen Akteuren zu wünschen übrig, vorallem die Moderatorin geht einem mehr als einmal auf die Nerven. Dennoch, ich bleibe dabei: [REC] sollte man gesehen haben.

Wer den Film lieber in amerikanischen Besetzung sehen möchte, der greift zu „Quarantäne“ aus dem Jahr 2008. Die US-Produktion orientiert sich nahezu akribisch an der spanischen Vorlage, war allerdings weniger erfolgreich.

Pow Dow: Grusel-Doku, die einen nach lahmen Einstieg nicht mehr zu Ruhe kommen lässt.