Originaltitel:Neighborhood Watch

Produktionsland: USA 2005

Regie: Graeme Whifler

Darsteller: Terry Becker, Randall Bosley, De Anna Joy Brooks

Trailer

Irgendjemand hier kennt doch bestimmt noch den Vertrieb Madison Home Video, oder? Jetzt mal unabhängig von Pseudo-Dokus wie „Faces of Death“… Ein Großteil dessen Portfolios bestand aus absolut mülligen Action- oder Thrillerklamotten, die mit laienhafter Pornosynchronisation nach Deutschland geholt und mit einem bulttriefendem, reißerischem (und meist nicht das Geringste mit dem Film zu tun habendem) Cover dem Splatterfan angedreht wurden.


Also, ich muss ja zugeben, wenn mir ganz, gaaanz langweilig war – dann hab ich mir aus der Grabelkiste meiner Stammvideothek auch mal für 50 Pfennig eine VHS mitgenommen – und mich am Schluss köstlich darüber amüsiert, wie manche Leute (mich eingeschlossen), so blöd sein können, für 90 Minuten Langeweile Geld auszugeben.Die ersten 80 Minuten von Neighborhood Watch könnten perfekt bei Madison wieder auftauchen. Der Film erzählt schlicht und ergreifend nur heiße Luft: Da duscht sich mal der männliche Hauptdarsteller und jammert über das ach so kalte Wasser, die Hauptdarstellerin geht Einkaufen und kriegt noch auf dem Parkplatz Durchfall, zwei Autos stoßen fast zusammen und ein Fahrer schimpft. Der Film strotzt nur so von Belanglosigkeiten, die in keinster Weise in Zusammenhang mit der eigentlichen Grundidee des Films stehen. Da entsteht sogar ein 30-minütiger Nebenplot in einer (zugegeben skurril skizzierten) Firma, der am Ende samt Charaktere einfach ins Nichts verpufft.Mittendrin beschäftigt sich der Film dann doch noch ein wenig mit der intendierten Thematik: Nachbar terrorisiert junges Ehepaar mit vergifteten Pralinen, vergiftetem Mus und mehrmals mit vergiftetem Wasser. Splatter? Fehlanzeige. Charakterentwicklung? Kaum. Terrorkino? Dafür fehlt dem Film jegliche Kreativität. Tatsächlich gehen die Späße des geistig verwirrten Adrien nicht über die kleiner Jugendstreiche hinaus.Auch an gängigen Mechanismen des Spannungs- oder Handlungsbogen hängt sich Regisseur Graeme Whifler nicht auf. Er dreht, was er will – sei es auch noch so langweilig. Der ganze (auf BetaDigital gedrehte) Film wirkt so wie aus der Hüfte geschossen. Auch wenn die Schauspieler durchaus glaubwürdig spielen (allem voran Nick Searcy, der in der Tat in der Rolle des Psychopathen aufgeht; auch Pell James macht ihre Rolle nicht allzu schlecht) sind alle Charaktere selbst ebenso belanglos wie die Story.Man fragt sich den ganzen Film lang, was Whifler damit erreichen wollte. Belanglosigkeit als Realismus? Oder ist die Belanglosigkeit nur Ventil um den (nicht näher ausgearbeiteten) Bruch zur Splatterszene überraschender zu gestalten? Oder glaubt er wirklich daran ein (Zitat) zweiter David Lynch zu sein und empfindet seine ersten 80 Minuten als perfektes Psychogramm? Lacht er sich heimlich ins Fäustchen, den Leuten wieder mal mit einem schnell entwickelten und schnell abgeschlossenen Script an der Nase herumgeführt zu haben? Oder findet er wirklich, dass sein Sammelsurium an Streichen, Terror, belanglosen Plots und Fäkalwitzen einen künstlerischen Wert hat?Was dann aber nach den 80 Minuten gähnend langweiligem Vorspiels kommt fühlt sich an wie ein übersteigerter Orgasmus in Form eine sehr heftigen und äußerst realistischen Splatterszene– leider mit vorzeitigem Samenerguss: Das ganze Finale dauert gerade mal zwei, drei Minuten und dürfte selbst eingefleischte Splatterfans nicht mehr entschädigen… – deren Heftigkeit geht zudem komplett auf das Konto von FX-Mann Lennie MacDonald – und kaum auf die vorhergehende Filmentwicklung, geschweige denn auf die Erzählfähigkeiten des Regisseurs. Man kann sie sich problemlos auch aus dem Kontext gerissen ansehen – für Freunde von Späßen wie „Guinea Pig“ vielleicht eine Option. Ohne Vorspultaste bleibt der Film weiterhin schwer erträglich.Zugegeben – Neighborhood Watch wirkt irgendwie krank und unbequem. Ich behaupte aber, dass das hier viel weniger mit den Inhalten und der (tatsächlich morbiden) Vorstadtstimmung als mit der „kranken“ Art des Filmemachens zusammenhängt. Angeblich sollen bei vielen Screenings vorher mehrere Leute aus dem Kino gegangen sein – jetzt weiß ich auch warum… Was soll das? Wie kriegt man Geld für so was? Was will uns der Künstler damit sagen? Warum schaue ich mir das überhaupt an? Das dachte sich wohl auch das Publikum im Kino – kein Applaus, fast niemand blieb während der Credits sitzen… draußen hörte ich nur noch: „Heute kann`s ja nicht schlechter werden“ und „Irgendwie fällt man auf diese Pseudo-Splatter immer wieder rein“. Andererseits: Wer auf Amteuerfilmversuche auf Madison Niveau steht, wird bestimmt nicht enttäuscht. Soll ja auch noch Leute geben, die auf Trash abfahren, der weder lustig, noch wirklich schlecht, noch unterhaltsam sondern einfach nur bedeutungslos ist. Und: Irgendwie ist es ja auch schon ne Leistung, so unglaublich bedeutungslos zu werden, dass man damit ein ganzes Review füllen kann. Falls Whifler das wirklich mit seinem Film erreichen wollte (was ich aber nicht glaube), dann hat er zumindest das voll erreicht. Was er ebenfalls schon erreicht hat ist ein gewisser Hype um die letzten drei, vier harten Minuten, die dem Film mit Sicherheit auch einen guten DVD-Start bescheren werden – hier kann man als Gore-Fan eigentlich nur hoffen, dass der Vertrieb das Werk beschneidet – und zwar dann um die kompletten ersten 80 Minuten.

Basti: Sicker Amteuerstreifen (mit angehängter Splatterszene) mit zugegeben kranker Stimmung, die aber meiner Meinung nach eher auf den Film und seiner Belanglosigkeit selbst zurückzuführen ist als auf das, was der Film letztlich thematisieren will.