Originaltitel: Antichrist

Produktionsland: Dänemark / Deutschland 2009

Regie: Lars von Trier

Darsteller: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg

Trailer

Ich habe in meinem Leben schon viele Filme gesehen, durchaus auch grenzweritge. Davon war aber keiner annährend so abgefuckt und abgedreht wie Lars von Triers „Antichrist“. Okay, der dänische Regisseur wird das sicherlich gerne hören, ist er doch bekannt für provozierende und unkonventionelle Spielfilme. Um den Film besser verstehen zu können, muss man wissen, dass Lars von Trier während des Schreibens des Drehbuches unter schweren Depressionen litt und somit auch nicht in der Lage war, selbst Kamera zu führen, was er normalerweise immer tut. Selbst seine Frau hat Willem Dafoe, dem Hauptdarsteller, von der Rolle abgeraten, aus Angst, sein Hollywood-Image könnte darunter leiden.


Willem Dafoe spielt in Antichrist zusammen mit Charlotte Gainsbourg ein namenloses Ehepaar, deren Sohn Nic aus dem Fenster stürzt und dabei stirbt. Nachdem die Trauerbewältigung in einem Krankenhaus keine Früchte trägt, entscheidet sich Dafoe, selbst Psychologe, seine Frau in einer Form der Konfrontationstherapie zu behandeln. Daraufhin beschließen Sie, in die Waldhütte „Eden“ zu reisen, um dort die Geschehnisse aufzuarbeiten, auch unter dem Aspekt, dass Gainsbourg schreckliche Angst vor den Wäldern hat. Dort angekommen, findet sich das Ehepaar bald in einer Spirale aus Gewalt und Sex wieder, die die vorhandenen Spannungen zwischen ihnen auf einen neuen Höhepunkt katapultiert.

Der Film ist unterteilt in 4 Kapitel inklusive Prolog und Epilog, wobei jedes Kapitel gleichermaßen fasziniert wie schockiert. Selten habe ich dermassen gewaltige Bilder gesehen wie in „Antichrist“. Schon beim Intro verschlägt es einem die Sprache, das mit einer Bildrate von 1000 Bilder pro Sekunde in Schwarz-Weiß gedreht wurde. Hier stellt einen Lars von Trier auch fairerweise gleich unmissverständlich vor die Wahl, ob man ihn auf einer Reise durch die tiefsten Abgründe des menschlichen Daseins begleiten will oder nicht. Spätestens, als das Ehepaar im Wald ankommt, beginnt der wirkliche Terror, in Wort und Bild: Ist der Wald an sich schon bedrohlich genug, wird das ganze noch durch eine düstere Soundkulisse und skurille Begegnungen mit den Waldbewohnern verstärkt. Zudem scheint Dafoes Ehefrau in „Antichrist“ ein düsteres Geheimnis zu hüten, dass Dafoe nach und nach lüftet.

Antichrist zu beurteilen fällt mir nicht leicht: Wen Genitalien in Großaufnahmen und weitere skurrile Abstrusitäten nicht abschreckt, erwartet einen spannenden und düsteren Film. Wem das zuviel des Guten ist, lässt lieber die Finger davon. Für schwache Nerven ist der Film nämlich definitiv nichts.

Pow Dow: Meisterwerk oder Schrott? Ich tendiere eher zu Ersterem, auch wenn mir manche Szenen zu explizit dargestellt wurden.