Originaltitel: A Serious Man

Produktionsland: USA 2009

Regie: Ethan und Joel Coen

Darsteller: Michael Stuhlbarg, Richard Kind

Trailer

Die Coen-Brüder sind zwei ziemlich geniale Filmemacher, das steht wohl außer Frage. Beglücken sie uns doch in regelmäßigen Abständen mit wahren Perlen der Filmgeschichte und werden dafür ebenso regelmäßig mit Preisen überhäuft. Auch ihr neuster Film A Serious Man wurde gleich mal für den Oscar als bester Film nominiert. Das soll ja für viele Menschen ein Qualitätsmerkmal darstellen, für mich zeigt es allerdings mal wieder, dass eine Oscar-Nominierung nicht zwangsläufig einen guten Film bedeutet. Und das obwohl eigentlich alles vorhanden ist, was ein guter Coen-Film ausmacht: Schrullige Charaktere, eine nichtige Story, die durch einen extrem nichtigen Auslöser in Fahrt kommt, allerdings nie wirklich an Fahrt gewinnt.

Larry Gopnik, Mathematikprofessor lebt mit seiner Familie in einem jüdischen Städtchen in den USA der 1960er Jahre ein extrem durchschnittliches Leben – bis plötzlich ein Unglück auf das nächste folgt. Seine Frau möchte ihn verlassen und seine Kinder fangen an ihn für Drogen, Schallplatten und einer Nasen-OP Geld aus der Brieftasche zu klauen. An der Uni wird er von einem unbekannten Studenten diffamiert, was seine Beförderung gefährdet und sein missratener Bruder gerät mit dem FBI in Konflikt. Als gläubiger Jude tut er hier das für ihn einzig Richtige: Er sucht Rabbis auf, um herauszufinden, warum Gott ihn so sehr straft.

Trotz der ständigen Rückschläge kommt Larry nicht aus der Ruhe, er vertraut weiterhin stoisch auf seinen Gott und wartet, dass sich durch pures Aussitzen die Probleme lösen, obwohl seine Welt immer mehr aus den  Fugen gerät – die Methode Merkel eben. Genau das wird dem Film zum Verhängnis: Es ist zwar nicht neu, dass die Figuren in den Filmen der Coens keinen echten Zugang erlauben, geschweige denn Sympathie für sich beanspruchen, aber Larry Gopnik und seine Familie sind in ihrer Apathie so extrem langweilig und uninteressant, dass sie einen nur kalt lassen. Das liegt nicht an der schauspielerischen Leistung der zumeist unbekannten Darsteller, die ist durch die Bank weg solide. Auch die Story ist eigentlich typisch Coen: Mit viel Liebe zu skurrilen Details erzählt, gespickt mit jüdischen Insiderjokes und biblischen Vergleichen – es kommt nicht von Ungefähr, dass Gopnik den Eindruck eines modernen Hiob erweckt. Und trotzdem springt der Funke einfach nicht über.

Den Coens gelingt auf den denkbar unspektakulärsten Weg ein sehr dichtes Porträt einer jüdischen Gemeinde, das aber zu keiner Zeit wirklich mitreißen kann. Wenn die Brüder in Interviews zu diesem Film erklären, dass dies ihr persönlichster Film mit vielen biografischen Anspielungen sei, dann fragt man sich ernsthaft, was die beiden für eine langweilige Kindheit gehabt haben müssen.

Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass sie ganz bewusst diesen Eindruck erwecken wollten. Sie beschreiben eine lethargische Gesellschaft am Vorabend großer Umwälzungen: Die Studenten-Unruhen, die 68er-Bewegung und die Rassenunruhen ziehen am Ende des Films -ganz alttestamentarisch- als bedrohlicher Sturm am Horizont auf. In diesem Kontext jedenfalls ergibt der Film durchaus Sinn – der Kleinstadtmief als größtmöglicher Kontrast zum gesellschaftlichen Umbruch.

Die Coen-Brüder entlarven sich bei der Interpretation ihres Films dann sogar selbst. Ein Rabbi erzählt Larry im Film eine haarsträubende, aber überflüssige Geschichte über einen jüdischen Zahnarzt. “Warum erzählen sie mir das?!” fragt Larry völlig verdutzt den selbstgefälligen Rabbi und genau diese Frage ist es, die mich bei A Serious Man auch beschäftigt. Was wollen die Coens eigentlich? Als Charakterstudie taugt ihr Film überhaupt nicht, dazu sind die Figuren zu unsympathisch. Die Story ist zu belanglos, als einen mitzureißen. Bleibt am Ende nur ein Gesellschaftsporträt und das funktioniert nur, wenn der Zuschauer weiß, was alles kurz nach den Geschehnissen des Films passieren wird. Als Kontrast zu den Umwälzungen der 70er Jahre funktioniert A Serious Man tatsächlich, aber dass muss sich man selbst erarbeiten.

Buzze: Ziemlich viel verlangen die Coen-Brüder vom Zuschauer, ohne ihn am Ende für seine Anstrengungen zu belohnen. Als Film für sich genommen funktioniert A Serious Man jedenfalls nur bedingt, und ist auf dieser Ebene langweiliger als eine Folge Lindenstraße – nur ein paar wirklich gelungene Gags helfen dem Film noch auf Scorsese-Niveau.