Originaltitel: Bronson

Produktionsland: UK 2009

Regie: Nicolas Winding Refn

Darsteller: Tom Hardy, Matt King, James Lance

Trailer

Charles Bronson. Mit diesem Namen verbinden die meisten Klassiker wie “Ein Mann sieht Rot” oder “Spiel mir das Lied vom Tod” des schnauzbärtigen Hollywood-Stars aus den 60er. Es gibt aber noch einen anderen Charles Bronson alias Michael Gordon Peterson. Der britische Bronson hat den Ruf, der gefährlichste und teuerste Gefängnisinsasse Großbritanniens zu sein. Genug Stoff also für Nicolas Winding Refn, ein bizarres Biopic über diesen Mann zu drehen.

Michael Peterson wächst in den frühen 70er Jahren in Luton, einer Kleinstadt in England, auf. Obwohl er von seinen Eltern gut erzogen wurde, gerät er immer öfter in Schwierigkeiten und beginnt eine Karriere als Kleinkrimineller. Im Alter von 18 Jahren heiratet er seine Arbeitskollegin Irene und wird Vater. Als das Geld knapp wird, entschließt er sich dazu, ein Postamt zu überallen. Viel Zeit um seine Beute von 26,18 Pfund auszugeben bleibt ihm allerdings nicht: Für den Überfall bekommt er sieben Jahre Knast, bei guter Führung vier, wie seine Mutter meint. Doch Peterson hat gar nicht vor, sich gut zu benehmen. Der Knast ist sein Hotelzimmer, hier fühlt er sich wohl, wie er selbst sagt.

The real Charlie Bronson

The real Charlie Bronson

Vorhang auf für Charles “Charlie” Bronson. In den folgenden Jahren macht er sich im Gefängnis einen Namen, indem er grundlos Wärter verprügelt und Mitgefangene als Geisel nimmt. Das macht er derart gut, dass man sich dazu entschließt, ihn in eine Einrichtung zu verlegen, in der sich die Bewohner gerne mal selbst auf die Hand koten. Nach einigen Gefängnis- und Psychiatrieaufenthalten wird er schließlich entlassen und kämpft sich von nun an als Bare-Knuckle Boxer mit dem Kampfnamen “Charlie Bronson” durchs Leben. Kaum hat er durch unzählige Kämpfe, unter anderem mit Hunden, auf sich aufmerksam gemacht, wandert er auch schon wieder in den Knast, da er für seine Geliebte einen Verlobungsring gestohlen hatte. Bis dahin hat er gerade mal 69 Tage seit seiner ersten Verhaftung in Freiheit verbracht. Um die nächsten Jahre im Knast sinnvoll zu nutzen, widmet sich Bronson der Kunst und Poesie und schreibt zudem insgesamt elf Bücher, was ihn aber nicht davon abhält, weiter für Unruhe zu sorgen.

Wer hier eine klassische Gangsterbiographie mit exzessiver Gewaltdarstellung erwartet, wird enttäuscht. Das würde dem Menschen Michael Peterson auch ungerecht werden. Stattdessen inszenierte Nicolas Winding Refn eine skurrile One Man Show, bei der der Star höchstpersönlich durchs Programm führt. So gibt es immer wieder Szenen, in denen man Bronson auf der Bühne eines große Theatersaals sieht, auf der er sich selbst parodiert, indem er z.B. Interviewpartner seiner selbst ist, inklusive passender Abendkleidung und Schminke. Fast schon ist einem dieses charmante und charismatische Arschloch sympathisch, was mit ein Verdienst von Tom Hardy ist. Hardy sieht dem echten Charles Bronson nicht nur verdammt ähnlich, sondern setzt den Dauerinhaftierten auch phänomenal in Szene.

Tom Hardy als Charlie Bronson

Tom Hardy als Charlie Bronson

Dramaturgisch gesehen lässt Bronson allerdings zu wünschen übrig. 90 Minuten reichen einfach nicht aus, um das Leben des berühmtesten Sträflings Großbritanniens auf die Leinwand zu packen. Bei Winding Refns Interpretation fällt es einem zeitweise schwer, Bronsons Leben zu folgen, da einem schlichtweg das Hintergrundwissen dazu fehlt. Auch werden einige Sachen in dem Film gar nicht oder nur sehr knapp angesprochen. Zum Beispiel, das Bronson vor allem als Kidnapper für Aufsehen sorgte. Sowieso bleiben zu viele Fragen ungeklärt. Warum handelt Michael Peterson derart selbstzerstörend? Was sind seine Beweggründe? Wie kann es einem Menschen gefallen, 34 Jahre hinter Gittern zu sitzen, davon 30 in Isolationshaft in insgesamt mehr als 120 Gefängnissen und Psychiatrien? Auch seine sensible Seite kommt eindeutig zu kurz. Nicht umsonst hat er 11 “Koestler Trust Award” für seine Kunstwerke und Gedichte erhalten. So sucht man vergeblich Antworten auf diese Fragen und ist dazu gezwungen, selbst Recherchen anzustellen, wenn man denn überhaupt daran interessiert ist, mehr über Charlie Bronson zu erfahren. Auch das Ende zieht sich für meinen Geschmack etwas zu lange hin, ohne dass der Zuschauer für seine Geduld belohnt wird. Man hat das Gefühl, ein Film über einen sehr interessanten Mann gesehen zu haben, der nichts aussagt, aber trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt.

Pow Dow: Bizarres Portrait über den berühmtesten Sträfling der Insel, das leider einige Fragen unbeantwortet lässt.