Originaltitel: Irgendwann in Mexiko

Produktionsland: USA 2003

Regie: Robert Rodriguez

Darsteller: Antonio Banderas, Johnny Depp, Salma Hayek, Mickey Rourke, Eva Mendez, Danny Trejo, Cheech Marin, William Dafoe

Trailer

Eins vorweg: Wer mit einem Film a la “Desperado” rechnet, der wohl zum besten TexMex-Action-Streifen der Neuzeit zählt, wird wohl eher enttäuscht. Zumindest waren wir alle im Kino der Meinung, dass das neue Rodriguez Werk seinen beiden Vorgängern nicht das Wasser reichen kann.


Zu viel unnötige und verwirrende Story, zu wenig (kreatives) Geballer und bei weitem weniger visuelle Experimente wie im 2. Teil. SlowMo und schneller Videoschnitt kommen eher selten zum Einsatz. Der Showdown ist absolut unzureichend – kein Vergleich zum minutenlangen Kampf Mann gegen Mann vom 2. Teil – im Gegenteil: Mariachis Freunde hauen sogar während des Kampfes mit dem Präsidenten ab. Die Gitarren kommen viel zu wenig zum Einsatz. Iglesias kann zudem mit dem genialen Flammenwerfer-Koffer bei weitem nicht so stylisch umgehen wie sein Vorgänger. Auch wer auf die genialen Waffen und/oder Munitionswechsel-Szenen aus Desperado Scharf ist wird eher enttäuscht. Viele Charaktere sind recht provisorisch eingesetzt und haben oft nicht wirklich eine Berechtigung – aber darum geht’s auch nicht zwangsläufig. Die Szene mit Johnny Depp macht das aber klar: Während er kurz vorher noch ziemlich in Szene gesetzt wird, fast schon wie in Desperado, ballert nachher im Prinzip nur mehr zwei Leute um, was die Sache etwas lächerlich erscheint. Auch die Einleitungssequenz, eine Hommage an die geniale Desperado-Szene mit Steve Buscemi und dem darauf folgenden Gemetzel des “größten Mexikaners” kann an ihren Vorgänger nicht im Entferntesten das Wasser reichen… bedeutend kürzer und weniger gut choreographiert.

Stattdessen setzt man diesmal neben der ausschweifendären Story auch noch auf mehr “Mitbewerber” im Spiel Gut gegen Böse. Große Mann gegen Mann Sequenzen wie der beliebte Bar-Kampf aus (der ungeschnittenen Fassung von) Desperado darf man also auch nicht erwarten. Statt der eher kammerspielartigen Vorgängerl setzt man somit eher auf die Auflösung verschiedener Personenkonstellationen und die Darstellung einiger Schauspielergrößen (Rourke, Dafoe). Die “Mexikaner” (Trejo, Marin) kommen dabei leider etwas zu kurz bzw. werden recht frühzeitig abgemurkst.

Trotz alledem gibt es auch einige wirklich gelungene Szenen – z.B. in der Kirche oder die Flucht von Banderas und Hayek. Apropos Hayek: Wer wegen ihr den Film besuchen will sollte das ebenfalls überdenken – sie hat diesmal nur einen sehr kleinen Part.

Im übrigen kann ich die Kritiken einiger Leute nicht nachvollziehen, die meinen, das Ding sei auf Digi gedreht und habe nicht den Charme der großen Bilder des zweiten Teils – es gibt durchaus einige schöne Aufnahmen, auch wenn diesmal eher der Western-Style bevorzugt wurde und weniger Farbe im Spiel ist. Lediglich die Inszenierung lässt halt zu wünschen übrig.

Basti: Ich weiß nicht genau, ob Rodriguez diesmal einfach was anderes machen wollte oder einfach nicht mehr den Elan oder die Kreativität von Desperado und El Mariachi hatte. Das ist mir bereits bei Spy Kids aufgefallen, wo seine Regiefähigkeiten bei weitem nicht mehr so ausgenutzt werden wie früher. Erst durch seine Sin City und Planet Terror Projekte schien er mir wieder zu alter Größer zurückgefunden zu haben. Irgendwann in Mexiko bleibt in seinem Actionprogramm eher ein Tiefpunkt. Als purer Mexiko-Western für sich allein stehend macht der Film aber trotzdem noch verdammt viel Spaß und die paar Shootouts und Hommagen unterhalten allemal. Man sollte eben nur nicht zu viel erwarten, besonders keinen großen Showdown.