Originaltitel: The Social Network

Produktionsland: USA 2003

Regie: David Fincher

Darsteller: Jesse Eisenberg, Justin Timberlake, Andrew Garfield

Trailer

Ein wirklicher David Fincher war es nicht, der neue Facebook-Film. Zu belanglos, zu wenig experimentell, zu wenig polarisierend und zu wenig spannend. Unterhaltsam und “fincherlike” zeitgeistig war er durchaus.

Über die Story gibt es nicht viel zu verlieren. Sie basiert auf der, wie ich leider erst später erfahren habe, ziemlich fiktiven Geschichte “The Accidential Billionaires”, die sich relativ viel Freiheiten heraus nimmt. Was dabei verwundert: Wenn man schon realtiv frei interpretiert, wieso schafft man es dann nicht doch ein klein wenig spannender? Fincher does better. Der Film kriegt immer wieder gerade noch die Kurve, bevor er den Zuschauer an Banalitäten aus dem Leben des Facebook-CEOs verliert und in einen stark dokumentarischen Stil abdriftet.

Und als Dokumentation funktioniert “the social network” absolut tadellos. Hätte man es auf die Hälfte der Zeit verkürzt, wäre es ein herausragendes Zeitdokument geworden, wenn, ja wenn die Sache auch ordentlich recherchiert wäre. So bleibt der fahle Beigeschmack, dass entweder die Drehbuchautoren keine allzu spannende Geschichte aus dem Plot stricken konnten oder sich nicht ganz sicher waren, wie weit sie sich wirklich von der Person Zuckerberg entfernen möchten.

So bleibt der Film für Leute ohne Facebook-Erfahrung relativ belanglos. Zu wenig wird sich bei ihnen der “Aha!”, “Das kenn ich!”, “Ah so war das!” -Effekt einstellen. Zu sehr werden sie sich fragen, was genau an dieser Geschichte denn so interessant sein soll. Dabei ist gerade die verrückte Entstehung dieses Studentenprojekts durchaus spannend, lehrreich und verändert mit Sicherheit den Blick des ein oder anderen Facebook-Nutzers. Ebenfalls zu Gute halten muss man dem Film die solide Arbeit der Dialogautoren. Das realtiv hohe Sprechtempo und die geschickt eingestreuten sozialkritischen Debatten kaschieren gut die ein oder andere nicht tragende Plotstelle im Film und macht der Erlebnis trotz geringer emotionaler Momente kurzweilig.

Basti: Ich hätte dem Film geradeaus eine Empfehlung gegeben, wenn ich mich darauf verlassen könnte, dass es sich eben um ein ordentliches Biopic des Facebook-Gründers handelt. Genau das verneinen nun aber sowohl Marc Zuckerberg als auch die Filmemacher selbst. Facebook-Nichtnutzer bleiben bei dem Film ohnehin außen vor, als Facebook-Nutzer verzeihe ich dem Film seine dramaturgischen Schwächen aber nur so lange, wie ich glauben kann, dass man hier eben die Lebensgeschichte eines Nerds nacherzählt. Sicher, die Programmierszenen auf Linuxbasis, die vorgelesenen (echten?) Einträge aus Zuckerbergs-Blog, die geschickte Platzierung zahlreicher, für Internetnutzer absolut alltäglicher (aber im Filmmedium immer noch unterschlagener) Anbieter wie MySpace oder Napster – all das macht mir persönlich riesen Spaß. Aber vermutlich hätte mir ein mehr dokumentarischer Stil, mit größerem Zeitraffer und Aussagen von zeitzeugen noch mehr Spaß gemacht. Und für die Nicht-Nutzer wäre eine vollständig fiktive Story mit mehr Wendungen und schnellerem Tempo vorzuziehen gewesen. So bleibt “the social network” ein guter Film, aber eben nicht Fisch und nicht Fleisch.