Originaltitel: Sucker Punch

Produktionsland: USA 2011

Regie: Zack Snyder

Darsteller: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Vanessa Hudgens, Jamie Chung

Trailer

Ein junges, aufsässiges Mädchen wird in eine Irrenanstalt eingeliefert. Um am Leben zu bleiben entflieht sie in eine Welt, in der sie tanzend gegen ihre Peiniger antritt. Story told. Eigentlich hätte Sucker Punche ein richtig guter Film werden können.

Die dramaturgische Grundstruktur ist zugegeben stakkatoartig und lässt keinen Freiraum für richtiges Storydevelopment: Hauptdarstellerin Baby Doll springt mit ihren Mithäftlingen von Traumwelt zu Traumwelt und bekämpft dort fantastische Wesen mit brachialer Gewalt. Dass das im Videospiel-Zeitalter auch funktionieren kann, hatte vor einiger Zeit Scott Pilgrim bereits beweisen. Auch Pilgrim leidet unter fehlendem Plotaufbau im Storydevelopment und springt letztendlich ohne klassische Konfliktdramaturgie von Level zu Level anstatt von Höhepunkt zu Höhepunkt. Edgar Wright erkannte das Problem und hatte damals die Schwachstellen durch erhöhtes Tempo, eine gewaltiges Bildcompositing und eine dauerhafte Hommage an die Gamesszene bis hin zum Universal-Schriftzug kompensiert. Vor allen Dingen aber hatte Scott Pilgrim spannende und skurile Charaktere, mit denen man mitfühlen konnte und die einen über mögliche Längen hinweghalfen.

Sucker Punch versucht das Gleiche in grün. In Scott Pilgrim kämpft sich der Darsteller durch Exfreunde, in Sucker Punch durch die eigenen Missbrauchstäter. Die Grundzutaten wären also da und tatsächlich kann Sucker Punch zeitweise auch unterhalten. Leider scheitert Zack Snyders Werk aber dann genau an den Elementen, die notwendig sind, um so einen Level-Up-Film auf Dauer zu tragen: Die Levels sind eintönig und wenig kreativ und wiederholen sich zudem andauernd, jedes Computerspiel würde bei diesen Ideen durchfallen. Die Musikauswahl, sonst zentrales Element bei 2-Stunden-Gameplay-Videos wie es ein Tron oder Pilgrim sind, entspringt der Hölle irgendeiner Jugendradio-Möchtegern-Redaktion und erstreckt sich von Björk bis billigen Queen-Covers. Aber vor Allem die schauspielerischen Leistungen sind unterirdisch. Zwar geben die weiblichen Darstellerinnen ihr Bestes, von der hier so dringend benötigten weiblichen Coolness ist aber kein bischen zu sehen. Zu keiner Sekunde nimmt man den Barbiepuppen die schweren Wummen ab. Ein Fakt, der aber schon beim Trailer mehr als auffällig war. Das wahre Gesicht zeigt sich, wenn Browning, Cornish & Co in der Umkleide einen Zickenkrieg unterster Soap-Güte lostreten, wo man sich ernsthaft fragt, ob man nun einen (durchaus auch sinnentleerten) Actionfilm ansieht oder irgendeine Girlie-Schmonzette. Hier wünscht man sich nicht nur die Darstellerinnen schnellstmöglich zurück ins Vorabendprogramm, sondern den unfähigen Dialogautor gleich mit, der den nötigen Comic-Oneliner-Geist, wo ein Frank Miller über Tage an den passenden Wortlaut feilt, in keinster Weise einfängt. Dass Zack Snyder selbst tolle Bilder macht, aber nicht Regie führen kann, hatte er schon im Dawn of the Dead Remake bewiesen. Bleib bei deinen Leisten, Snyder und verfilme gute Comics. Dann funktioniert das auch. Dann hast du neben dem passenden Storyboard (mit Dramaturgie!) auch gleich den richtigen Text.

Zieht man all die Schwachstellen ab, bliebe bei Sucker Punch mit der fehlenden Dramaturgie, den schlechten Darstellern und Charakteren aber immer noch ein feines B-Movie mit viel zu viel Budget übrig. Mit der passenden Erwartungshaltung kann man den Film eigentlich dann durchaus genießen. Genau hier scheitert Punch leider immer noch am eigenen Anspruch. Zu rund, zu glatt und zu wenig wagemutig sind die Plotelemente, um zumindest mit Grindhouse-Grenzüberschreitungen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Keine nackte Haut, keine Blutfontänen, keine Vergewaltigungen – nichts, was dem Film dem Anschein roher Guerilla-Filmkunst -oder zumindest einer Hommage daran- gegeben hätte. Tatsächlich wären nackt tänzelnd-ballernde Barbiepuppen mit der ein oder anderen Pornoeinlage der richtige Ausweg aus dem Schlamassel gewesen – eine östrogentriefende Groteske, die durch die Überspitzung sich selbst nicht mehr ernst nimmt und mit Gender-Klischees über die Längen hilft. Sozusagen der weibliche Counterpart zu Snyders 300, wo das mit dauerhafter Zurschaustellung von Sixpacks und testosteronbeladenen, unsinnigen Männersprüchen gut funktioniert hatte.

So bleibt ein Film dem richtigen Ansätzen, aber einer schlampingen und wenig kreativen Ausführung, die entweder in der Dramaturgie oder in der Exploitation Nachhilfe gebraucht hätte, um richtig zu überzeugen. Ob die angekündigte, ungeschnittene Fassung mit 18 Minuten mehr Inhalt das vollständig aufholt, bleibt aber zu bezweifeln.

Basti: Guter Einstieg, der durch Banalität leider zunehmend abflaut und nur am Ende wieder etwas überzeugen kann. Die Credits (die Teile der ungeschnittenen Fassung vorweg nehmen) sind das Beste. Letztendlich wurde ich nicht enttäuscht, weil der Film genau das bietet, was der Trailer verspricht – der hat die angesprochenen Probleme ja schon ziemlich deutlich vorweg geworfen. Und ich will nie wieder Queen-Covers zu einer schlechten Gameplay-Szene hören. Der penetrante und völlig unpassende Einsatz von Björk-Musik kostet leider zusätzlich einen halben Scorsese. Bleibt ein Halber übrig.